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AlchemistAlchemist

Die Erzählung spielt im 16. Jahrhundert und handelt von einem burgundischen Arzt und Alchemisten, dessen Lebensweg ihn nach einer persönlichen Katastrophe (seine Frau wird als Hexe angeklagt und verurteilt, er selbst muss fliehen) über Savoyen und Venedig schließlich nach Harran in Assyrien führt. Er ist auf der Suche nach hermetischer Weisheit und kommt in Berührung mit unterschiedlichen Ausprägungen und Traditionen gnostischer Welterklärungen. Die Geschichte wird aus dem Blickwinkel des Arztes erzählt, d.h. sein Wissensstand ist der eines Menschen der frühen Neuzeit, noch vor der kopernikanischen Wende oder dem Aufkommen der modernen Natur-wissenschaft, sein Weltbild ist noch das der Renaissance-Magierphilosophen, im Sinne etwa Marsilio Ficinos oder Pico della Mirandolas.
Auf seiner Flucht schließt er sich einer Truppe von Gauklern an, die ihn in ihre Heimat in Savoyen mitnehmen, wo er einen Einsiedler trifft, den letzten einer mit ihm aussterbenden Katharertradition, der ihm sein Wissen und seine Aufgabe weitergeben möchte, was er jedoch ablehnt. Er beschließt stattdessen, sich auf die Fährte eines Adepten zu setzen, des berühmten Trismosin, der den Stein der Weisen hergestellt haben soll und bei dem er deswegen in die Lehre gehen möchte. Dazu will er nach Venedig reisen, einem der bekannten Aufenthaltsorte des Adepten.
Unterwegs macht er Station in der Burg eines Adligen, der ihn dazu bringt, für ihn einen Machtzauber zu wirken, den er im Kampf gegen einen feindlichen Nachbarn einsetzen möchte. Während der Arbeit daran ereignen sich unheilvolle Geschehnisse (auch dadurch bedingt, dass er sich auf ein Verhältnis mit der Frau des Hausherrn eingelassen hatte), die zum Abbruch des Vorganges führen. Er muss aus der Burg flüchten und setzt seinen Weg nach Venedig fort.
In Venedig wird der Alchemist von der Geheimpolizei eingesperrt und verhört, die ihn verdächtigt, Spionage für die französische Glasindustrie zu betreiben (die bei Lyon, in Konkurrenz zu Venedig, mit gestohlenen venezianischen Rezepturen aufgebaut worden war), da er auf seiner Suche nach Informationen über Trismosin auch bei den Glasbläsern von Murano Nachforschungen angestellt hatte.
Durch die Einkerkerung wird er krank und muss in einem Hospital gepflegt werden. Mit einer der Pflegerinnen schließt er Freundschaft, so dass er Einblick in deren Geheimnis erhält: Sie ist in ihrem wahren Leben eine bekannte Kurtisane, welche im Hospital ihrer mütterlichen Mentorin, der Leiterin, anonym gute Werke tun möchte. Diese Leiterin, Mutter Zuana, ist die Seelenfreundin Guillaume Postels, eines französischen Sprachgelehrten und Kabbalisten, der sie in seinen Schriften zur Sophia verklärt, dem in einer Frau verkörperten Heiligen Geist. Postel ist jedoch im Augenblick in der Levante unterwegs, um neue kabbalistische Manuskripte zu suchen - seine Werke und Gedanken sind jedoch präsent in dem Kreis um Mutter Zuana.
Wieder gesund, zieht er in den Palast seiner Krankenpflegerin/Kurtisane und hat dort die Möglichkeit, eine aufgelassene Werkstatt zu übernehmen und seine alchemistischen Forschungen weiter zu betreiben. Diese glückliche Epoche seines Lebens endet jedoch abrupt, als die Kurtisane von einem eifersüchtigen Kunden durch eine organisierte Massenvergewaltigung bestraft wird - sie wird vor dem Hospital ihrer Freundin abgelegt und stirbt an ihren seelischen und körperlichen Verletzungen. Durch diesen Skandal wird ihre Doppelexistenz aufgedeckt und auch die Leiterin kommt als deren Vertraute in Schwierigkeiten. Sie wird in ihrer Rolle als fromme Vorsteherin des Hospitals angefeindet, man unterstellt ihr Heuchelei und dass sie ebenso in ihrer Jugend Kurtisane gewesen wäre. Auch werden ihr die Äußerungen Postels über sie als weiblichen Heiland des dritten Zeitalters des Geistes vorgehalten. Wenig später nach der Kurtisane stirbt auch sie (als Postel nach Venedig zurückkehrt, findet er sie nicht mehr unter den Lebenden).
Den Alchemisten hält nichts mehr in der Stadt, er macht sich erneut auf die Wanderschaft, wieder in Fortsetzung seiner Suche nach dem sagenhaften Trismosin, diesmal im Vorderen Orient, in Damaskus, Aleppo und weiter, obwohl er an seiner Suche zu zweifeln beginnt. Er kommt mit dem Sufismus in Berührung und beschließt sein Leben in Harran, immer noch halb den Traum seiner Jugend von Wissen und Erleuchtung träumend, jedoch schlussendlich damit im Frieden, zwar weder das Lebenselixier hergestellt, noch den Durchbruch zur Erleuchtung geschafft zu haben. Stattdessen hofft er als angekommener Suchender auf Trost und Erfüllung durch eine mystisch ausgerichtete Lebenspraxis.







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